Northeim (red). In einer öffentlichen Veranstaltung von Pro Inklusion e.V. mit dem Titel „Runder Tisch – Stark und sicher, Gewaltprävention für Menschen mit Behinderung“ sei im Frühjahr dieses Jahres deutlich geworden, dass es im Landkreis Northeim bislang keine bedarfsgerechte Möglichkeit gebe, von Gewalt betroffene junge Menschen mit Behinderung und Pflegebedarf durch das Jugendamt in Obhut zu nehmen.
Gespräche mit dem örtlichen Jugendhilfeträger hätten gezeigt, dass insbesondere Kinder und Jugendliche mit sogenannter doppelter Rechtskreiszugehörigkeit – also Jugendhilfe und Eingliederungshilfe – sowie mit komplexen Bedarfen wie Suchtmittelabhängigkeit, Aggressionspotenzial, massiver Delinquenz oder Mehrfachbehinderung nicht immer stationär untergebracht werden könnten. Mangels struktureller Angebote oder aufgrund überlasteter Einrichtungen blieben häufig nur Übergangslösungen wie ambulante Einzelfallhilfe oder Betreuung im familiären Umfeld, bis eine geeignete Einrichtung bundesweit gefunden sei.
Sei eine ambulante Betreuung nicht mehr zu verantworten, müsse das Jugendamt entweder selbst die Betreuung übernehmen oder in Einzelfällen Einzelvereinbarungen schließen. Als hinderlich erweise sich zudem das vom Landesjugendamt praktizierte Betriebserlaubnisverfahren nach dem Jugendhilferecht. Hohe Anforderungen an das Fachpersonal erschwerten die Umsetzung. Eine Übertragung von Zuständigkeiten auf die örtlichen Jugendämter könne hier Verfahren verkürzen und flexiblere Lösungen ermöglichen.
Auf Vermittlung von Pro Inklusion habe daher nun ein Austausch zwischen Verantwortlichen des Jugendamtes Northeim und den Landtagsabgeordneten René Kopka und Sebastian Penno stattgefunden. Beide Abgeordnete hätten zugesagt, die geschilderte Problematik auf Landesebene einzubringen und sich für Lösungen einzusetzen.
Foto: Pro Inklusion e. V.