Hardegsen (red). Mit einer Mischung aus schonungsloser Analyse und konstruktiven Vorschlägen hat Stefan Müller-Schleipen von der bundesweiten Initiative „Die Stadtretter“ die Diskussion über die Zukunft der Hardegser Altstadt angeregt. Eingeladen hatte die Verkehrswacht Stadt Hardegsen e.V., die mit dem Referenten einen erfahrenen Experten für Stadtentwicklung gewinnen konnte.
Blick auf Verkehr und Stadtgestaltung
Müller-Schleipen hatte sich vor Ort ein Bild gemacht und zeigte verschiedene Ansätze auf, die in Hardegsen umsetzbar wären. Beim Thema Verkehr reichten seine Vorschläge von „Park & Walk“-Zonen über eine bessere Markierung und Ausschilderung von Parkflächen bis hin zu einer Optimierung der Stellplätze, etwa durch spezielle Flächen für Motorräder. Zudem regte er an, mit ortsansässigen Firmen zu sprechen, damit deren Parkplätze in den Abendstunden oder am Wochenende für die Öffentlichkeit genutzt werden können.
Darüber hinaus betonte er die Chancen einer attraktiveren Innenstadtgestaltung. Dazu gehörten Ideen wie die Nutzung leerstehender Flächen durch Cafés und Geschäfte, gemeinsame Initiativen von Stadt und Eigentümern sowie die Belohnung von Anwohnern, die sich gestalterisch einbringen.
Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen
Bürgermeister Lars Gunnar Gärtner machte in seiner Stellungnahme deutlich, dass er das Problem des Parkens vor allem punktuell zu bestimmten Tageszeiten sehe. Dennoch wolle er einzelne Anregungen des Referenten prüfen: „Einige Punkte können sicher recht kurzfristig umgesetzt werden, andere müsste man abwägen.“ Gleichzeitig wies er darauf hin, dass für weitreichendere Projekte oftmals die finanziellen Mittel fehlten.
In der anschließenden anderthalbstündigen Diskussion zeigten sich die unterschiedlichen Sichtweisen der Teilnehmenden. Sie reichten von Forderungen nach strengeren Kontrollen bis hin zu einer autoärmeren Innenstadt. Unklar blieb vorerst, wie die Parksituation für das im Jahr 2026 wiedereröffnende Freibad gelöst werden soll.
Wenig Resonanz – aber konstruktives Fazit
Enttäuscht zeigte sich die Verkehrswacht von der geringen Beteiligung. Weder die Gemeinschaft der Selbstständigen noch die Feuerwehr war vertreten, und aus dem Rat der Stadt kamen lediglich drei Mitglieder. Dabei sei gerade die Feuerwehr immer wieder von zugeparkten Rettungswegen betroffen.
Trotz der überschaubaren Resonanz wertete die Verkehrswacht den Abend als Erfolg. „Nochmal können wir uns als Verkehrswacht eine solch teure Veranstaltung leider nicht leisten, es war eine einmalige Gelegenheit“, erklärte Geschäftsführer Tobias Kreitz. Immerhin habe man am Ende der Veranstaltung ein neues Mitglied gewinnen können.
Foto: Deutsche Verkehrswacht Hardegsen