Northeim (red). Mit einem Metalldetektor nach historischen Fundstücken zu suchen, ist in Deutschland streng reglementiert. Wer jedoch Heimatforschung und Denkmalpflege unterstützen möchte, kann in Niedersachsen einen kostenfreien Lehrgang zum zertifizierten Sondengänger absolvieren. Nachdem bislang bereits mehr als 40 Privatpersonen auf diese Weise Behörden im Kreisgebiet unterstützen, verfügt nun auch die Stadt Northeim mit Martin Komander und Ratsherrn Marek Wischnewski über ihre ersten Absolventen.
„Und für den nächsten Lehrgang stehen auch schon die ersten auf der Warteliste“, berichtet Denkmalschützer und Amtsarchäologe René Piehl. Er wird die Sondengänger künftig koordinieren.
Zertifizierte Suche nach historischen Fundstücken
Inhaberinnen und Inhaber des Zertifikats dürfen in vom Denkmalamt freigegebenen Gebieten auf Spurensuche gehen. Martin Komander erhielt dafür nun ein Revier im Wieter. Ausgerüstet mit Metalldetektor, Spaten und GPS-Gerät durchkämmt er eigenständig die historische Kulturlandschaft. Entdeckt er historische Fundstücke, müssen diese sorgfältig dokumentiert, recherchiert und dem Denkmalamt gemeldet werden.
Private Sondengänger unterstützen die Fachleute insbesondere bei Forschungsprojekten. So half Komander bereits bei einer von Piehl geleiteten Untersuchung bei Hollenstedt, wo Spuren auf einem Acker auf eine Geschützstellung aus dem 17. oder 18. Jahrhundert hindeuteten.
Untersuchungen bei Bühle und Hollenstedt
Marek Wischnewski wiederum beteiligte sich unter Leitung des städtischen Museumsleiters Stefan Teuber an der Untersuchung einer abgegangenen Burg nahe Bühle. Die Anlage stammt im Kern noch aus der vorrömischen Eisenzeit zwischen etwa 800 und 12 vor Christus.
Die Stadt Northeim steht im Bereich Archäologie erst seit Kurzem auf eigenen Beinen. Bis 2025 war das Landesdenkmalamt in Braunschweig für die Fachverwaltung zuständig. Bürgermeister Simon Hartmann setzte sich dafür ein, dass Befugnisse und Kompetenzen direkt vor Ort angesiedelt werden.
„Somit können wir nicht nur Verfahren beschleunigen oder Bodeneingriffe an archäologischen Verdachtsstellen flexibler begleiten, sondern auch die Bürger viel besser an der Erforschung ihrer Heimat teilhaben lassen“, erklärt Denkmalschützer Piehl.
Illegales „Sondeln“ bleibt strafbar
Gleichzeitig dämpft Piehl zu hohe Erwartungen. Meist würden moderne Gegenstände wie Kronkorken, Hosenknöpfe oder Teile von Landmaschinen gefunden. Dennoch zeigten Beispiele wie das Römerschlachtfeld am Harzhorn in der Gemeinde Kalefeld, dass mit Metalldetektoren bedeutende Fundstätten entdeckt werden können.
Zugleich weist Piehl darauf hin, dass das sogenannte „Sondeln“ ohne Zertifikat und Genehmigung illegal ist und unter Strafe stehen kann. Immer wieder seien bedeutende Fundstücke unsachgemäß geborgen worden und anschließend auf dem Antiquitätenmarkt verschwunden.
Als Beispiel nennt er die Himmelsscheibe von Nebra aus Sachsen-Anhalt, die von Raubgräbern entdeckt wurde und lange im Schwarzhandel kursierte. Das bronzezeitliche Artefakt gehört heute zum UNESCO-Welterbe und wird im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle ausgestellt.
Lehrgang mit Theorie und Praxiseinheiten
Wer den Lehrgang absolvieren möchte, meldet sich zunächst beim zuständigen Amtsarchäologen zu einem persönlichen Gespräch. Bei positiver Einschätzung folgen ein Online-Seminar des Landesdenkmalamtes sowie praktische Übungen in der Region.
Weitere Informationen gibt es im Bereich „Denkmalschutz“ auf der Internetseite der Stadt Northeim. Ansprechpartner ist René Piehl per E-Mail an
Foto: Stadt Northeim